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Begegnungen - Ein Ballettabend - Presse -
Eisenach: Verzicht als Chance
Es ist immer wieder erstaunlich, was mit einer kleinen Truppe von fünf Tänzerinnen und fünf Tänzern zu machen ist. Dabei weiß Ballettmeisterin Sabine Pechuel in Eisenach den notgedrungenen Verzicht auf renommierte Ballettwerke, die sie von der Besetzung her nicht realisieren kann, als Chance zu nutzen für eigene Zusammenstellungen bis hin zu kreativen Umsetzungen von Stoffen der Literatur und anderer Gattungen auf die Tanzbühne. "Begegnungen" ist ihr jüngster Ballettabend überschrieben. Er teilt sich in zwei Hälften, von denen die erste einem Stück gewidmet ist, das es noch gar nicht gibt und das sich unprätentiös "Tanzstück" nennt. Es schafft ein interessantes Spannungsfeld zwischen Mozarts "Haffner-Serenade", aus der die Sätze I und V-VIII ausgewählt wurden, und einer modernen Handlung. Verblüffend, wie genau die klingende Dynamik, Stimmdichte, melodische Bögen, Akzente, Phraseneinschnitte und Pausen vertanzt werden. Die Beziehung Gruppe-Individuum ist überzeugend deutlich präsent. Ungestüme Jugendkraft entlädt sich in übermütigen Sprüngen, aber man nimmt sich auch kritisch in Augenschein, schleicht umeinander herum, kommt einander näher, löst sich wieder. Immer wieder schert jemand aus. Seine Trotzhaltung oder Lustlosigkeit schafft jedenfalls Raum für Soli und Pas de deux. Dass am Ende ein Mädchen zerstört am Boden bleibt, zeigt: Hier soll nichts beschönigt werden und ein Happyend ist keineswegs typisch jugendgemäß. Als zweites Stück war dann ein klassisches Ballett angesagt. "Kadettenball" nennt sich der 63 Jahre vor der Eisenacher Premiere in Sydney uraufgeführte Einakter, der inzwischen längst zum internationalen Ballett-Repertoire gehört. Auch er kein Originalwerk, doch besteht er aus verschiedenen Original-Musiken von Johann Strauß (Sohn). Schauplatz ist ein Mädchenpensionat, das sich zu einer Tanzparty gerüstet hat. Eingeladen sind einige Kadetten, natürlich unter Aufsicht ihres "Generals" und der Gouvernante. Die beiden Aufsichtspersonen erinnern sich ihrer eigenen Jugend und halten sich am Ende eng umschlungen in den Armen, nicht anders als ihre Zöglinge auch. Dazwischen im klassischen Variationsteil passiert allerlei Neckisches, etwa wie ein allzu schüchterner Kadett von seinen Kameraden unsanft ermuntert wird, seine Dame zu engagieren. Zwischen Walzern und Polkas (darunter auch die bekannte "Tritsch-Tratsch") erntete Solotänzerin Eriko Koshida mit ihren unendlichen Drehungen um die ganze Bühne begeisterten Beifall. Der "General" gehört mit seinem militärischen Imponiergehabe und der Imitation eines südländischen Liebhabers mit Gitarre zu Füßen seiner Schönen zu den heiteren Höhepunkten. Zum Finale allgemeiner schmerzlicher Abschied. Resignation bei der einsam zurückbleibenden Gouvernante. Wie schön, dass nach dem Schluss noch zwei, die es zueinander treibt, heimlich zurückkehren. Liebe ist halt stärker als Angst vor Strafe. Schön auch, dass man von der Landeskapelle unter Wolfgang Wappler Ballettmusik live hören konnte. Insgesamt eine sehens- und hörenswerte Bereicherung des Spielplans. Dr. Wolfram Klante (Thüringer Allgemeine, 4. März 2003) Schwierigkeiten der Partnerwahl Eisenach. (tlz) Was erwartet der Theaterbesucher von einem Ballettabend? Mit weltbewegenden Themen wird er kaum in Berührung kommen, also hofft er auf ausgewogene Bilderlebnisse, auf Grazie der Tänzerinnen, ästhetische Formen der Bewegung und vielleicht auf etwas Humor, Sinnlichkeit und den dramatischen Bösewicht. Mit diesem nun konnte das Thüringer Landestheater Eisenach heuer nicht aufwarten, alles andere diente dem Ballettabend "Begegnungen" als geschickt zusammengewürfelte Grundlage, für dessen Regie und Choreografie Sabine Pechuel verantwortlich zeichnete. Ausgewählt hatte sie den Klassiker "Kadettenball", entstanden 1940 nach einer Idee von David Lichine zu Musik von Johann Strauß jr., die Antal Doráti bearbeitet hatte, und Sätze aus der Haffner-Serenade von Mozart mit so etwas wie einer Handlung nach eigenem Entwurf. Sie interessiert, wie sich junge Menschen heute begegnen, und stellt fest, dass die Partnerwahl trotz der Vielfalt des Angebots wahrhaft kompliziert ist. Dass man oft an einander vorbei geht, sich wiederfindet nach anderweitig vergeblicher Suche, der Konkurrenz unterliegt, Eifersucht und Depression nicht ausgeschlossen sind. Wie einfach war das doch in der "guten, alten Zeit", als der Kadettenball die Partner unter Aufsicht von Gouvernante und General zusammen führte, wo Schüchternheit noch als Wert an sich galt und Etikette den Rahmen für Sitte und Moral absteckte - der dann ausgerechnet von der "Aufsicht" erheblich überschritten wird. Keine Überforderung Wie oft schon in Eisenach, ist der Zuschauer angetan von der Sprache der Bilder, die Sabine Pechuel im Wissen um das Leistungsvermögen ihrer Gruppe formt. Niemals kommt es zu Überforderungen, zu neuen Aufsehen erregenden Sprüngen, Hebungen und Drehungen, die nur um ihrer selbst Willen kreiert worden sind. Immer steht die Solidarität der Ausführung, die Klarheit des Ausdrucks im Vordergrund, und das vielleicht unter Verzicht auf stärkere choreografische Abwechslung, die ohne solch Beschränkung sicher zu erreichen gewesen wäre. Aus der Not wird eine Tugend, deshalb ein ungeteilter Genuss für das Auge und echte Freude für das Gemüt: Dem herrlich abgestimmten Treiben in der Licht durchfluteten Architektur von Susanne Uhl überlässt sich der Zuschauer mit großem Behagen. In der räumlichen Wirkung von Silhouetten der Mitwirkenden liegt sogar ein überaus aparter Reiz. Die Landeskapelle unter Leitung von Wolfgang Wappler fügte sich den Zwängen der Begleitung, stellte ausgeformte Rhythmik in den Vordergrund und schien der Musik von Strauß als für den Darstellungstanz besser geeignet um einiges näher zu sein. Hans-Jürgen Thiers (Thüringer Landeszeitung, 3. März 2003)
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