Türkisch-deutsches Jugendtanztreffen "Unter anderen" 2005
Die folgenden Texte wurden von den Jugendlichen und Betreuern projektbegleitend,
teilweise speziell für das Programmheft, verfasst.
Jan Burkhardt über das Projekt
Ziel dieses Projektes ist es, Kommunikation, Kreativität und Toleranz zu fördern zwischen den Jugendlichen und damit Brücken zu bauen zwischen den verschiedenen Nationalitäten, den kulturellen und sozialen Hintergründen sowie Vorurteile abzubauen und Kategorisierungen und Gewalt zu verhindern.
Gegenwärtig sind zwei große globale Entwicklungen zu beobachten, die der Integration und Globalisierung‚ und die der Seperatisierung, des Nationalismus und Regionalismus. Beide Bewegungen bringen Chancen und Gefahren mit sich und geben sowohl Anlass zu Hoffnung und Optimismus als auch zu Angst und Paranoia.
Die türkisch-deutschen Beziehungen sind sehr komplex und interessant, an sich als auch als Exempel für jegliche Begegnung zwischen orientaler und okzidentaler Kultur. Die Integration der türkischen Gemeinde in Deutschland ist in vielerlei Hinsicht noch immer unbefriedigend und bedarf innovativer Ideen und Investitionen. Mit den Bemühungen der Türkei, EU-Mitglied zu werden, ist vieles in Bewegung gebracht - und der Bedarf an Dialog und gegenseitigem Verständnis noch gewachsen.
Berlin weist die größte türkische Gemeinde außerhalb der Türkei auf, Istanbul ist die einzige sowohl europäische als auch asiatische Stadt, geographisch und kulturell. Dies birgt für beide Orte besonderes Potential, sowohl für Integration als auch für Reibung.
Insbesondere nach dem 11. September 2001 sind Vorurteile und Konflikte zwischen dem "Westen" und der "islamischen Welt" gewachsen, Kommunikation geschweige denn Verständnis vielfach zum Stillstand gekommen. Wir glauben, dass die Arbeit an der Vertiefung der deutsch-türkischen Beziehungen einen wichtigen Beitrag zur Annäherung östlicher und westlicher Kultur leisten und als Exempel für die globale Situation dienen kann.
Der Prozess einer Tanztheaterproduktion kann Kommunikation und Toleranz fördern und vertiefen, sowohl bei den Teilnehmern als auch beim Publikum; Gefühle und Gedanken - auch Vorurteile und Hemmnisse können in Bewegung, Wort und Ton ausgedrückt und transformiert werden.
Junge Menschen sind den Medien besonders stark ausgesetzt und laufen deshalb Gefahr, von letzteren vermittelte Vorurteile und Paranoia anzunehmen. Junge Menschen sind aber auch flexibler als ältere und fähig, ihre Denk- und Verhaltensmuster zu öffnen und die Welt aus einer anderen als der gewohnten Perspektive zu erleben. Körperliche Bewegung regt auch den Geist zu Bewegung an, und kreative Arbeit fördert die Wahrnehmung der eigenen Situation und die anderer, als auch der Mittel, dieser Ausdruck zu verleihen.
Damit ist ein großer Schritt getan zu mehr Verständnis des "Fremden", zu mehr Kommunikation und Verantwortung.
Texte von Kathi:
Ich wünsche mir, dass wir unsere Grenzen akzeptieren und aufeinander Rücksicht nehmen.
Dass wir uns nicht abwenden, wenn uns jemand Grenzen setzt, sondern versuchen, unsere Mitmenschen so zu akzeptieren, wie sie sind.
Ich wünsche mir aber auch gleichzeitig, dass wir bereit sind, Grenzen zu überwinden und uns zu öffnen.
Dass wir sensibel dafür sind, wann wir an unsere oder an die Grenzen unserer Mitmenschen stoßen und dass es Grenzen sind, die für uns wichtig sind, aber auch Grenzen, die wir überwinden müssen.
Du setzt mir Grenzen
Ich nehme sie wahr
Ich kann sie tolerieren
Ich kann sie aber auch überschreiten.
Ich habe Grenzen, meine Grenze
Manchmal grenze ich mich ab
Manchmal werde ich abgegrenzt
Das Leben ist ein Grenzgang
Deine Grenze
Meine Grenze
Unsere Grenzen
An Grenzen stoßen
Grenzen überwinden
Grenzen öffnen
Wir können uns öffnen
Grenzen setzen, um sich zu schützen
Grenzen setzen führt zu Abgrenzung
Wo ist die Grenze?
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