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Der Mann der Menge - Presse - Ganzes & Gutes Cottbus: Uraufführung "Der Mann der Menge" Die Uraufführung in der Kammerbühne "Der Mann in der Menge" geht auf eine Geschichte von Edgar Allan Poe zurück und bezieht Reflektionen von drei Choreographen ein. Die inhaltliche Klammer sind Momente aus der Erzählung. Das Warten und Beob-achten, die Begegnung, das Dranbleiben und Verlieren. Keiner deutet den Text wortwörtlich, jeder bringt sich mit seiner persönlichen Sicht, seinem Stil ein. Das Bühnenbild nach der Idee von David Sutherland nutzt im Raum bewegliche und wandelbare Rahmen als Versatzstücke, mit denen verschiedene Situationen akzentuiert sind. Sie assoziieren Innen- und Außenräume, schaffen Fluchten, Widerspiegelungen, Klagemauern oder Trennwände. Souverän geht der junge britische Choreograph Robert Poole damit zu Beginn von "In the wake of other" um, zeichnet individuelle Sphären. Doch bis auf einige prägende Momente verliert sich in der Folge diese Konsequenz in Beliebigkeit und Fülle, gewinnt sowohl szenisch als auch in der Körpersprache wenig Kontur. David Sutherland konzentriert sein "As the night deepened" auf drei Personen, besser gesagt auf eine, die sich mehrfach aufspaltet, von quälenden, stützenden, stets allgegenwärtigen Schatten umgeben ist. Diese Gestalt (Mario Heinemann) findet keine Ruhe, sucht ständig Halt und Anlehnung, fällt und wird aufgerichtet, springt und wird aufgefangen, baumelt sich die Seele aus dem Leibe. Eine dichte, metapherreiche Studie, die im präzisen Zusammenspiel der Tänzer weiter gewinnen könnte. Ebenso eine gedankliche und tänzerische Herausforderung bringt Ana Sánchez-Colberg, Choreographin und Dozentin am Londoner Laban Centre, mit ihrer Arbeit "...es lässt sich nicht lesen..." ein. Ihre ausdrucksvolle, fließend-kraftvolle Tanzsprache, der klar strukturierte Umgang mit dem Raum, die nicht vordergründigen, wirkungsvollen Gruppierungen, eine Ahnung von Zeit, das hat Format und ist deutlich inspirierend für alle Darsteller. Nichts ist so gänzlich neu an ihrem Stil; doch man spürt, dass sie etwas im Ganzen und Gutes daraus macht. Vom Publikum kam anhaltender, verdienter Beifall für alle Beteiligten. Als einziges Repertoire-Stück taucht "Der Mann in der Menge" auch im neuen Spielzeitheft 1997/98 des Staatstheaters auf. Neun Namen finden sich dann noch in den Angaben zum Ballettensemble. Nicht jeder, der zu dieser Premiere auf der Bühne stand, wird da noch aufgeführt. Tanz ist nicht unbedingt eine Frage von Menge; wenige können durchaus viel auf die Beine stellen. Doch ohne Qualität ist diese wie jede andere Kunst nicht lebensfähig. Offensichtlich verbleiben Tänzer mit Leistungsvermögen am Hause; doch ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese im Theaterbetrieb zerschlissen sind, gute Solisten abwandern und die Schar derer weiter reduziert wird. Eine schreckliche Vision.
Gabriele Gorgas (Lausitzer Rundschau, 26. Mai 1997)
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