Der Mann der Menge In Zusammenarbeit mit The British Council
Premiere: 23. Mai 1997 in der Kammerbühne des Staatstheaters Choreographie: Robert Poole ("In the wake of other") /
David Sutherland ("As the night deepened...") /
Ana Sánchez-Colberg ("...es lässt sich nicht lesen...") Bühnenbildidee: David Sutherland Kostümidee: Ana Sánchez-Colberg, Robert Poole, David Sutherland Lichtdesign: Lutz Deppe
Drei Choreographen begeben sich auf Spurensuche in Edgar Allan Poes Kurzgeschichte "The Man of
the Crowd", die das thematische Gerüst für diesen mehrteiligen Tanzabend bildet. Es geht ihnen
nicht um die tänzerische Nacherzählung dieses nach wie vor faszinierenden und hochaktuellen,
bereits 1840 veröffentlichten Werkes, sondern um das Sichtbarmachen persönlicher Beziehungen
zu diesem Stoff. Ein Mann wird eines Gegenübers gewahr, das ihn nicht mehr loslässt. Raum und
Zeit vergessend folgt er diesem anderen durch die Menschenmenge der Großstadt. Und doch findet
eine Begegnung nicht statt. Es scheint, als könne gerade durch Tanz die spannungsgeladene
Beziehung des Einzelnen zur Masse, das Aufgehobensein in seiner doppelten Bedeutung am besten
zum Ausdruck gebracht werden. Die Stücke sind aber auch ein choreographisches Lesen zwischen
den Zeilen, ein Versuch der Visualisierung dessen, was "sich nicht lesen lässt". "Für mich ist
das eine Geschichte über das Sichselbstfinden, über das Verfolgen eines Ziels. Was passiert mit
einem, wenn man ein Ziel verfolgt? Welche Überraschungen birgt solch eine Reise?" - so
beschreibt Ana Sánchez-Colberg, Choreographin und Dozentin am Londoner Laban Centre, ihren
Blick auf Poes Geschichte. Wie der englische Choreograf Robert Poole arbeitet sie das erste Mal
mit dem Ballett des Staatstheaters Cottbus.