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Der Widerspenstigen Zähmung

- Presse -




"Der Widerspenstigen Zähmung" - Ein gelungenes Experiment

Wer das zurückhaltende Eisenacher Publikum kennt, weiß dass Bravorufe, minutenlanger Applaus und Trampeln höchstes Lob bedeuten. Das dürfte Balsam für die umstrittene Eisenacher Ballettmeisterin Sabine Pechuel sein, die Inszenierung und Choreografie für "Der Widerspenstigen Zähmung" nach der Komödie von Shakespeare übernommen hat. Der erste Glücksgriff ist ihr dabei mit der Musik von Dmitri Schostakowitsch gelungen, dessen Ballett-Suiten sowie das Vorspiel zur Operette "Moskau-Tscherjomuschki" wie geschaffen für die Vorlage sind. Mit Feingefühl und Akribie hat sie dazu mit Dramaturgin Gabi Beier die passenden Szenen entwickelt, so dass Musik und Handlung teilweise eine geniale Harmonie bilden. Das Ballettensemble scheint Gefallen an dem Experiment gefunden zu haben, denn die Tänzer bieten sichtlich mehr als nur einen Job, wirken wie angesteckt vom Temperament von Musik und Komödienstoff, präsentieren sich in Bestform. Und sie beweisen auch ein erstaunliches schauspielerisches Talent, das bis hin zum Slapstick reicht. Ergänzt wird die Szenerie durch Statisten, das Mienenspiel des Priesters während der misslungenen Hochzeit ist allein schon ein ergötzlicher Anblick.
Köstliche Szenen
Die Vorlage enthält ja auch reichlich Komik. Sabine Pechuel führt die drei liebestollen Verehrer von Bianca von Anfang an als lächerliche Gockel vor, die zuweilen wie Hampelmänner wirken. Gema Casino Penalba als Katharina sprüht tatsächlich vor Boshaftigkeit und Temperament, Mika Hara als ihre Schwester Bianca ist dagegen ein Muster an Anmut und Liebreiz. Köstlich die Szene, wenn Vater Baptista Minola (Helmut Kleinen) seine beiden Töchter im Arm dreht, und die Eine Rosen einsammelt, während die Andere Fußtritte austeilt. Ebenso köstlich wie das eifersüchtige Werben der drei Buhler um die Gunst der Angebeteten, gesteigert nur noch durch den Zweikampf von Katharina und Petruchio (Mugur Valsami). Die beiden sind die Stars des Abends - egal ob sie sich im Pas de deux raufen oder liebkosen, sich am Boden wälzen oder durch die Lüfte springen. Auch in solchen plakativen Szenen hat Sabine Pechuel Wert auf Details gelegt: Wenn beispielsweise Katharina bei allem Widerstand von Anfang an durch zärtliche Berührungen irritiert wird, und wenn sie selbst nach dem Versöhnen immer noch ein bisschen kratzbürstig sein muss.
Gelungener Abend
Aber was wäre all das Gezanke und Geliebe und Getanze ohne die Musik: Die Landeskapelle unter Leitung von GMD Wolfgang Wappler spielt großartig, scheinbar mühelos gelingen die Wechsel zwischen sentimentalen und feurigen Stücken, von Anbeginn an verbreiten die Musiker beschwingt-heitere Stimmung. Ein gelungener Abend also - für überregionales Publikum, wie sich der neue Intendant Ballett-Inszenierungen wünscht, zwar nicht spektakulär genug, aber für die hiesigen Ballett-Fans ein wahres Vergnügen. Und wer bisher noch kein Ballett-Fan ist - dieses Stück könnte dazu führen.
Susanne Sobko (Südthüringische Zeitung, 23. Februar 2004)



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